Ulrich Czerny

Lederwerkzeuge und ihr Gebrauch

(Bilder zum vergrößern anklicken)

Als Kind hat mir mein Vater beigebracht, mit der Handnähahle zu nähen. Daraus ist eine dauerhafte

Leidenschaft für das Arbeiten mit Leder geworden. Vor 20 Jahren habe ich dann den Entschluss gefasst,

diese Leidenschaft zum Beruf zu machen.

Heute habe ich eine große, immer noch wachsende Kollektion von Taschen und u.a. Geldbörsen die ich

alle von Hand herstelle, natürlich von Hand nähe - und das immer noch mit Begeisterung!

Seit einiger Zeit veranstalte und leite ich Leder-Workshops und bemerke ein zunehmend größer

werdendes Interesse. In meinen Kursen geht es um die handwerklichen Fertigkeiten mit Sattelleder,

besonders um das Nähen von Hand mit der Handnähahle.

Sehr wichtig sind mir die dabei verwendeten Werkzeuge. Zum Teil benutze ich gängiges Lederwerkzeug,

andere Werkzeuge sind von mir modifiziert und speziell geschliffen, und wieder andere lasse ich

anfertigen. Als gelernter Werkzeugmacher lege ich großen Wert auf das, womit ich arbeite.

Die genaue Funktion der Handnähahle erkläre ich hier nicht (siehe Anleitung zur Handnähahle).

Eine Auswahl der wichtigsten Werkzeuge biete ich zum Verkauf an.

 

Im folgenden möchte ich beschreiben, welche Arbeitsschritte ich ausführe bis schließlich das Leder

akkurat über Eck miteinander vernäht werden kann.

 

 

 

Zuerst zeichne ich eine Linie (Vertiefung) parallel zur Schnittkante.

Dort soll später die Naht verlaufen.

 

Traditionell wird diese Linie mit einem Reifelholz gezogen. Als einfache Alternative verwende ich einen

runden Bambustab, der an beiden Enden eingekerbt ist, einmal auf ca. 2 mm für feine Nähte, einmal

auf ca. 3,5 mm für kräftigere Nähte (wie hier im Beispiel).

 

 

 

 

Als nächsten Arbeitsschritt markiere ich die Stichabstände:

 

zum Werkzeug

 

 

Zum Markieren der Stichabstände benutze ich Zahnräder aus Edelstahlblech. Sie werden Pickierrad genannt. Je nach Fadenstärke verwende ich unterschiedlich Stichabstände:

 

•5 mm (normaler Stichabstand, Fadenstärke 0,8 mm).

•4,5 mm (feine Stiche, Fadenstärke 0,6 mm) und

•4 mm (sehr feine Stiche, Fadenstärke 0,6 mm),

 

 

 

Kanten brechen

 

Das Leder ist an der Oberseite an der Schnittkante scharfkantig. Deshalb breche ich die Kante mit

einem sehr feinen Hobel. Auf dem zweiten Bild ist der "Spahn" zu sehen.

 

 

 

 

Das Hobeln der Leder-Unterkante auf den Winkel von 45 °

 

Auf dem zweiten Bild ist der entstandene Winkel und der "Spahn" zu sehen.

 

 

 

Kantenpolieren

 

Um die Fasern des Leders zu glätten und die Schnittkante zu imprägnieren, poliere ich die Kanten. Mit einem Wattestäbchen trage ich die Kantenpolitur auf und poliere die Lederkante anschließend kräftig mit einem glatten Lappen nach.

 

 

 

 

Vorstechen der Löcher für die Naht

 

Ich verwende eine Schwertahle. Sie muss scharf angeschliffen und poliert sein, so dass sie leicht in das Leder einsticht. Als Vorstechunterlage verwende ich eine synthetische Korkplatte aus dem Schuhmacherbedarf.

 

 

 

Die Naht mit der Handnähahle

 

Genäht mit Fadenstärke 0,8 mm, mit einem Stichabstand von 5 mm. Ecknaht (die Lederstücke stoßen im Winkel von 45° aufeinander).

Ich verwende ausschließlich synthetischen Fäden. Sie sind extrem abriebfest. Fäden aus Naturmaterialien, auch wenn sie gewachst sind, rauen sich beim Nähen immer weiter auf bis sie beim kräftigen Anziehen des Stichs reißen. Gewachst "verklebt" der genähte Faden sehr schön im Leder. Durch das Wachs hat der Faden mehr "Stand", was allgemein in der Handhabung angenehm ist.

Synthetischer Faden hat noch den Vorteil, dass sich Knoten am Nahtende (Knoten nur da, wo er später nicht sichtbar ist) mit dem Feuerzeug verschmelzen lassen. Außerdem kann man den Fadenanfang mit dem Feuerzeug anschmelzen und mit den Fingern eine Spitze "anziehen".

 

zum Werkzeug

 

 

Und jetzt noch ein paar Alternativen zu den beschriebenen Werkzeugen:

 

Denn es führen immer auch andere Wege zum Ziel, am Schluss zählt das Ergebnis.

 

 

• Das Falzbein. Ist die Spitze fein angeschliffen, kann man damit am Lineal entlang eine Linie ziehen. Ich verwende das Falzbein oft, vor allem um z.B. Stichlöcher nach dem Nähen zu glätten bzw. zu schließen.

 

• Das Reifelholz aus Bambus. Mit der einen Seite lässt sich eine ca. 3,5 mm Linie, mit der anderen Seite eine ca.2 mm Linie ziehen. Benötigt man ein anderes Maß, kann man durch Schleifen und / oder Sägen den Bambus entsprechend anpassen.

 

• Der Stahlzirkel.

Der eine Arm des Zirkels ist speziell angeschliffen (leicht gekürzt, Spitze gerundet und fein geschliffen). Damit lassen sich sehr gut Linien parallel zur Lederkante ziehen. Jedes Maß ist schnell möglich und man kann ihn auch beim Schnittmusterentwurf für Radien und Kreise verwenden.

 

 

 

• Die Anzeichennadel

Sie ist speziell angeschliffen , die Spitze gerundet und fein geschliffen. Ich verwende sie sehr viel, vor allem zum Übertragen der Kontur eines Schnittmusters auf das Leder.

Wenn vom Schnittmuster Markierungspunkte auf das Leder übertragen werden müssen, mache ich das auch mit Anzeichennadel.

 

 

 

 

Und noch ein paar Worte zum Schluss:

 

Das Nähen ist für mich der Höhepunkt bei der Arbeit mit Leder. Die Arbeitsschritte vor dem Nähen sind eher Arbeit. Das Nähen ist eine Belohnung, ein Balsam für die Seele ... es fällt mir schwer es besser zu beschreiben. Probieren Sie es aus ...

 

Aber Vorsicht! Mit Leder zu arbeiten kann süchtig machen ; )

 

Ich freue mich über jeden, der/die für dieses herrliche Handwerk feuerfängt!

 

Verfasser:

Ulrich Czerny

im WERKRAUM Lichtenau

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